Dr.-Ing. Ludolf Plass

Mein Name ist Ludolf Plass, ich bin im Januar 1944 in Frankfurt geboren. Mein Vater fiel im November 1944 in Holland. Meine Mutter kehrte nach dem Krieg mit mir in ihre Heimatstadt Emden zurück. Mein Vater und beide Großväter waren Ingenieure, so lag es nahe, dass auch ich diesen Beruf ergreifen würde.

Ich besuchte auf dem Gymnasium den sprachlichen Zweig, nicht den mathematischen, nach dem Motto: „Der Junge wird später noch genug mit der Mathematik zu tun bekommen, soll er doch jetzt besser Sprachen lernen„.

Nach dem Abitur 1963 war meine Neigung zunächst mehr zur Architektur als zum Ingenieur. Aber einige Gespräche machten deutlich, dass mir die künstlerische Seite, das Freihandzeichnen nicht so lag. So blieb es bei dem Maschinenbau –Studium in Darmstadt, das ich im Frühjahr 1969 mit einem sehr guten Ergebnis abschloss.

Was nun, ich war gerade 25 Jahre? Aufbaustudium Betriebswirtschaft, Promotion im Bereich Chemische Technologie in Darmstadt (Dauer damals ca 5 Jahre), oder direkt in die Industrie gehen? Aus Gesprächen mit der Firma Lurgi in Frankfurt ergab sich die Möglichkeit, als von Lurgi bezahlter Doktorand mit einem industriell interessanten Thema an der Universität Erlangen/Nürnberg zu promovieren. Nach 2 ½ Jahren wurde ich promoviert. Daneben konnte ich während der Tätigkeit am Institut meine Kenntnisse in der Chemischen und mechanischen Verfahrenstechnik erheblich vertiefen.

Bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2009 bin ich insgesamt 40 Jahre ( !!) in verschiedenen Gesellschaften der Lurgi Gruppe in sehr unterschiedlichen Funktionen tätig gewesen:
6 Jahre als Gruppenleiter der Forschung und Entwicklung der Lurg Chemie und Hüttentechnik GmbH u.a. mit dem Schwerpunkt, neue Verfahren zur umweltfreundlichen Energieerzeugung zu entwickeln ,
5 Jahre als Leiter der Sparte   „Röstung/Verbrennung“ und weitere
6 Jahre als Bereichsleiter „Kohle-und Energietechnik“ der Lurgi Kohle- und Mineralöltechnik GmbH.

Von 1990 bis 1994 war ich Geschäftsführer der Lurgi Energie-und Umwelt GmbH ,
von 1994 bis 1995 Vorsitzender dieser Gesellschaft mit über 900 Mitarbeitern und einem Umsatz von 300 – 400 Mio DM .

Danach erfolgte wiederum eine der zahlreichen Umstrukturierungen, ich übte von 1996 bis 2004 die Funktion des Chief Technology Officer in der Holding Lurgi AG aus. Danach übernahm ich die Leitung des Bereichs „Technology“ der Lurgi AG bis zu meiner Pensionierung am 31.1.2009.

In 2007 wurde die Lurgi AG von der französischen Air Liquide gekauft. Den folgenden Kulturwandel konnte ich, u.a. dank guter Französisch-Kenntnisse aktiv mitgestalten.

Rückblickend kann ich sagen : Meine Tätigkeit war außerordentlich vielseitig und „spannend“:
Entwicklung neuer Verfahren vom Labor bis zur Großtechnischen Reife,
Vertrieb neuer und klassischer Verfahren und Anlagen der Lurgi auf einer weltweiten Basis,
Modernste Anlagen für den Umweltschutz und zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe.
Vertragsverhandlungen in verschiedenen Sprachen , Bau-und Inbetriebnahme der Anlagen.
Vertrags/Patent- und Lizenz Management,
Führung zahlreicher kompetenter Mitarbeiter in verschiedenen Teams .

Chairman/Board Member bei verschiedenen internationalen Joint Ventures und Tochtergesellschaften der Lurgi Gruppe. Akquisition von Verfahren, Kauf und Verkauf von Firmen der Gruppe.

Nach meiner Pensionierung habe ich die Lurgi/Air Liquide noch weitere 5 Jahre für verschiedene Projekte beraten.
Neben meiner Tätigkeit in der Lurgi/Air Liquide war ich/bin bis heute Vorsitzender/Mitglied verschiedener Beiräte und gehöre dem Experten-Team der Finatem Beteiligungsgesellschaft in Frankfurt an.

Ein besonderes „Highlight“ meiner Pensionärs – Tätigkeit betrifft die „Energiewende“. Ich wurde Mit-Herausgeber des Buches: “Methanol, the Basic Chemical and Energy Feedstock of the Future”(700 Seiten in Englisch/> 40 Autoren aus Wissenschaft und Technik) Springer Verlag, Heidelberg 2014. Darin wird u.a. beschrieben, wie die stark schwankenden Erneuerbaren Energieströme aus Sonne und Wind chemisch gespeichert und dann als Wasserstoff, Methan und/oder Methanol (Power-to-x) anstelle fossiler Rohstoffe möglichst wirtschaftlich genutzt werden können.

Aktuell arbeiten wir in einem Konsortium an der Realisierung eines Demonstrations Vorhabens :“Power-to-Methanol“, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert werden soll.

Aus meiner langjährigen Berufserfahrung empfehle ich, sich im Studium nicht zu sehr auf die technischen Fächer allein zu spezialisieren. Wirtschaftlich/juristische Kenntnisse spielen immer mehr eine wichtige Rolle, zumal gerade die Technischen Berufe eine sehr gute Zukunft haben.

Ganz generell sollte man sich bei der Berufsauswahl versuchen zu fragen: Woran habe ich wirklich Spass, denn dann ist man auch bereit, sich wirklich zu engagieren. Das aber ist notwendig, weil der heute globale Markt für technische Führungskräfte viele Chancen, aber auch einen verstärkten Wettbewerb bedeuten.