Ich habe mein Abitur an der Dahlmannschule in Bad Segeberg im Jahre 1997 gemacht, ohne ein Jahr zu wiederholen. In der Mittelstufe war es aber zweimal knapp (8. und 9. Klasse) mit der Versetzung. Hier hatte ich alles andere als Schule im Kopf.

Darauf hin habe ich bei der Arbeiterwohlfahrt meinen 12-monatigen Zivildienst abgeleistet, weil ich nicht zur Bundeswehr wollte. Damals war das noch ein Pflichtprogramm für Schulabgänger. In dieser Zeit bin ich Schulbus gefahren und habe mich um behinderte Kinder und ältere Menschen in Altersheimen gekümmert. Nebenbei habe ich zu dieser Zeit als Beikoch in einem Landgasthof gearbeitet, der einem Freund meines Vaters gehörte.

Zum weiteren Fortkommen habe ich mich mit den verschiedenen Berufen beschäftigt, die mir größtenteils meine Eltern vorgeschlagen haben: Beamter, Ingenieur oder Banker kam für sie in Frage. Im Berufsinformationszentrum informierte ich mich auch über die verschiedenen Berufe und wollte gern Wirtschaftsingenieurswesen studieren. Meine Eltern wollten aber gern, dass ich eine Lehre vorweg mache und so schrieb ich vier Bewerbungen an Banken. Nach den Aufnahmetests konnte ich mich dann entscheiden, in Lübeck, in Segeberg oder in Hamburg eine Lehre zu beginnen. Im Nachhinein eine super Entscheidung.

Ich entschied mich für Hamburg und startete hier ein auf zwei Jahre verkürzte Lehre zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank. Ich zog dafür nach Hamburg in eine WG mit meinem besten Freund, der schon ein Jahr länger in Hamburg war. Diese zwei Jahre haben mir den größten Entwicklungsschritt in meiner Persönlichkeit hin zu mehr Selbständigkeit ermöglicht. Viele Auszubildende waren aus fremden Städten zur Ausbildung nach Hamburg gekommen und wir wurden eine verschworene Gemeinschaft. Bis dahin bin ich über meine Zukunft eher immer ungewiss gewesen. Ich wollte jetzt auf jeden Fall weiter im Wirtschaftsthema bleiben und auch mein Wunsch zu studieren, war größer als zu vor. Ich wollte unbedingt die Zusammenhänge, die wir in der Ausbildung angeschnitten hatten, weiter in Theorie und Praxis vertiefen. Außerdem wollte ich in Hamburg bleiben, weil hier einfach mehr los war.

Im Anschluss fing ich also an der Uni Hamburg mein wirtschaftswissenschaftliches Grundstudium an. Besonders die volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächer interessierten mich. Die Rechtsscheine und die Statistikkurse liefen eher nebenbei. Zur Finanzierung jobbte ich noch bei der deutschen Bank in der Filiale als Werkstudent. Meine Eltern überwiesen mir in dieser Zeit die Miete und unterstützten mich, wo sie konnten. Nach drei Monaten war mir aber die Arbeit in der Filiale zu langweilig und ich kündigte, um mich voll auf mein Studium zu konzentrieren. Nach dem mir auch das allein zu langweilig wurde, jobbte ich nebenbei zweimal die Woche in einem Weinladen in Hamburg-Eimsbüttel. Nach ca. einem Jahr übernahm ich hier die Leitung und arbeitete mich immer tiefer in die Materie rein. Die Selbständigkeit reizte mich und ich genoss es, das erste Mal in meinem Berufsleben wirklich eigene Entscheidungen treffen zu können. Noch ca. ein Jahr später übernahm ich die GmbH komplett, teilweise mit geliehenem Geld meiner Eltern und teilweise per Gründungskredit von der Förderbank KFW finanziert. Ich merkte immer mehr, dass mich die Praxis mehr reizte als die Theorie. Das Studium trat zu der Zeit in den Hintergrund und ich wechselte zum Hauptstudium an die Fernuni Hagen, um morgens zu lernen. So konnte ich zeitlich flexibler sein und mittags im Geschäft.

Im Hauptstudium wechselte ich zur BWL mit dem Schwerpunkt Bank – und Börsenwesen und den Nebenfächern Marketing und Organisation und Planung. Mich faszinierte das Thema Vertrieb und die Organisation der Bank als zentrale Stelle im Wirtschaftskreislauf.

Nach ca. vier Jahren verkaufte ich die GmbH wieder mit einem kleinen Gewinn an einen befreundeten Geschäftspartner. Nun war ich in der Endphase meines Studiums angekommen und ich wollte mich voll auf meine Diplomarbeit konzentrieren.

Neben der Diplomarbeit und den letzten beiden Scheinen schrieb ich ca. 8-12 Bewerbungen an Banken und Unternehmensberatungen. Beide Bereiche hätte ich mir vorstellen können. Eine Bank hat dann aufgrund meiner Vor-Tätigkeiten zugegriffen und mich zum Assessment Center eingeladen. An diesem Tag wurden aus acht Bewerbern zwei ausgewählt durch ein anstrengendes Testverfahren. Es wurden verschiedene Test geschrieben und Diskussionsrunden durchgeführt. Am Ende hatte ich Glück und wurde mit einem weiteren Bewerber ausgewählt. Ich hatte laut der Prüfer besonders durch meine rhetorischen Fähigkeiten überzeugt.

Zwei Monate später begann ich mit Diplom in der Tasche mein Traineeprogramm, welches auf 24 Monate angelegt war. Ich sah verschiedene Abteilungen und konnte einen noch tieferen Einblick in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche einer Bank werfen. Nach ca. der Hälfte der Zeit bekam ich ein Angebot für eine Vollzeitstelle als Kundenberater im Bereich Private Banking und nahm an. In den folgenden drei Jahren kümmerte ich mich um einen eigenen Kundenstamm und war sehr glücklich. Ich lernte die betreuten Familien kennen und mit manchen von Ihnen besteht auch heute noch ein gutes Verhältnis. Das Kennenlernen von unterschiedlichsten Menschen in unterschiedlichsten Situationen ist auch heute noch einer der schönsten Aspekte meines Berufslebens.

Nach vier Jahren bekam ich ein Angebot einer anderen Hamburger Privatbank, bei der ich zusätzlich zum Kundenkontakt noch strategisch bei der Geschäftsausrichtung mitarbeiten sollte und unterschrieb. Heute arbeite ich hier immer noch und bin als Prokurist in der Vertriebskoordination sehr glücklich. Ich begleite und trainiere unsere Berater und helfe im Marketing.

Im Nachhinein habe ich mich wohl unbewusst beruflich immer mehr in die Richtung entwickelt, die meiner Persönlichkeit entspricht. Nur dann war mir auch der Arbeitseinsatz egal und ich konnte auch die Doppelbelastung mit dem Studium und der Vollzeitstelle ohne Probleme meistern.

Auch heutzutage besteht der Job noch aus viel Eigeninitiative. Auch der Besuch von Abendveranstaltungen und Messeständen am Wochenende gehört dazu. Zusätzlich besuche ich Kunden vor Ort im gesamten deutschsprachigen Raum und unsere 14 Geschäftsstellen vor Ort. Neben der Familie ist das oft gar nicht so leicht zu organisieren. Aber es macht unheimlich Spaß, mitwirken und gestalten zu können und das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden.

Gerne vermitteln wir ein Gespräch mit dem Mentor. Senden Sie uns eine Email an m.weiss(at)Haus-der-Mentoren.de  Wir setzen uns dann mit Ihnen in Verbindung.

Auf der Website Mentoring4u.de finden Sie weitere Informationen zu diesem Ausbildungsberuf:

Bankkaufmann/-frau, ein Berufsbild, das viele Möglichkeiten bietet